SmartDown II – wenig bekannter Markdown-Editor für Windows

Smartdown Editor

Ich bin ja ein bekennender Fan von Markdown. Für den Mac hat eine rege Szene inzwischen eine Menge an Editoren entwickelt. Unter Windows sieht das bislang noch nicht ganz so gut aus. Umso erfreulicher, dass Nutzer auch hier nunmehr zwischen einigen Apps wählen können. Heute möchte ich Ihnen gern SmartDown vorstellen.

Moderne und nüchterne Oberfläche

Der Entwickler bietet auf seiner Webseite eine kostenlose Testversion, die Sie 14 Tage ausprobieren können. Die Installation ist rasch erledigt und unkompliziert. Unmittelbar nach dem Start erwartet Sie eine aufgeräumte und eher nüchterne Oberfläche im aktuellen Flat-Design.

Oberfläche SmartDown

Die nüchterne Oberfläche von SmartDown

Bibliothek und Vorschaufunktion

Der Entwickler von SmartDown hat ein eigenständiges Konzept für die Bedienung umgesetzt, sich aber hier von aktuellen Office-Programmen durchaus inspirieren lassen. Das macht die Einarbeitung nicht immer ganz einfach. An drei Ecken der Arbeitsfläche sind Icons angebracht, die weitere Funktionen bereitstellen.

SmartDown mit Vorschaufunktion

Der Editor mit aktivierter Vorschau, die seitlich fixiert wurde.

Über den Schalter am unteren linken Rand rufen Sie sich eine Bibliothek auf. Diese ist zu Anfang noch leer. Mit einem Klick auf das Pluszeichen fügen Sie ein beliebiges Verzeichnis auf dem System hinzu. Das ist natürlich praktisch, wenn Sie die Dateien auch auf anderen Systemen bearbeiten wollen und etwa einen Ordner aus der Dropbox verwenden. Einmal eingerichtet, fügen Sie mit einem Klick auf den Schalter mit dem Dokument eine neue Datei ein.

Die Bedienung in der Bibliothek orientiert sich an einem Browser. Mit einem Klick auf die Datei wird diese geöffnet. Ein Doppelklick darauf gestattet einen Blick auf die Struktur. Derzeit ist es aber (noch?) nicht möglich, über dieses Inhaltsverzeichnis auch Änderungen an der Gliederung vorzunehmen. Um zur Liste der Dokumente zurückzukommen, müssen Sie auf den Zurück-Pfeil klicken.

Ein angedeutetes Menü in der linken oberen Ecke führt zu einem Backstage-Bereich. Darüber erreichen Sie:

  • Anlegen eines neuen Dokuments
  • Speichern und Speichern unter
  • Druckfunktion
  • Export
  • Veröffentlichen
  • Voreinstellungen des Programms

Dazu aber gleich noch mehr.

Backstage-Bereich-SmartDown

Der Backstage-Bereich von SmartDown.

Der Schalter am rechten unteren Rand öffnet dagegen Optionen für den direkten Umgang mit dem Dokument. Sie erreichen damit die Vorschaufunktion, die als angedocktes oder separates Fenster genutzt werden kann. Hierüber kann auch die Sprache der Rechtschreibprüfung geändert werden. „Deutsch“ gehört bereits zum Lieferumfang und muss nicht erst besorgt werden.

In der Fußzeile erhalten Sie die aktuelle Wortzählung. Der Editor erlaubt Ihnen sogar die Definition von Zielen. Derzeit leider nur auf Wort-Basis. Hier wäre natürlich eine Definition von Zeichenzahlen zu wünschen.

SmartDown in der Praxis

Noch viel wichtiger als die reine Bedienung ist bei einem solchen Editor natürlich die Bewährung im Alltag. Vorab: Es handelt sich um einen lupenreinen Markdown-Editor, mit dem Sie den Quelltext des Dokuments direkt bearbeiten. Keine automatische Umstellung von Zeichen oder etwa der Versuch, Ihnen die Steuerzeichen zu verbergen. Quellcode pur.

Allerdings sind auch ein paar Hilfen eingebaut. Markieren Sie Text und bewegen Sie den Mauszeiger darauf, wird eine kleine Palette geöffnet. Diese erscheint aber auch, wenn Sie an einer freien Stelle des Dokuments doppelt klicken. Das Konzept kennen Sie vielleicht bereits aus Microsoft Word. In der Palette sind häufig genutzte Funktionen integriert. Neben den klassischen Formaten wie Fett oder Kursiv, der Auswahl von Überschriften oder dem Anlegen einer Liste auch Zeitsparer:

  • Einfügen eines Links
  • Einbinden einer Datei
  • Anlegen einer Tabelle

Unverständlicherweise kann die Palette aber offensichtlich nicht im Vollbildmodus genutzt werden. Bei den Funktionen der Palette gibt es indes aber noch ordentlich Verbesserungspotenzial:

Das beginnt damit, dass die Felder nicht wieder gelöscht werden. Haben Sie darüber also einen Link gesetzt, müssen Sie beim nächsten Einsatz erst die Felder mit einem Mausklick wieder leeren. Wünschenswert wäre natürlich auch, wenn hier zwischen Inline- und Referenzlinks gewählt werden könnte.

Die Palette im Text von SmartDown

Palette in SmartDown

Gut gelungen ist dagegen die Tabellenfunktion. Mit der Palette legen Sie die Grundelemente an. Über ein Kontextmenü, das wie gewohnt mit einem Rechtsklick auf ein Element im Text geöffnet wird, erweitern Sie dann, wie in einer Textverarbeitung, die Tabelle. Das funktioniert sehr gut.

Der Editor unterstützt auch Critic Markup, eine Erweiterung von Markdown, die das Bearbeiten und Überarbeiten von Texten im Team erleichtert.

Ebenfalls gut gelungen ist die Funktion zum Einfügen von Fußnoten. Denn damit wird sowohl die Referenz im Text angelegt, als auch am Ende des Dokuments der eigentliche Fußnotentext.

Insgesamt kann aber mit dem Editor gut und sauber gearbeitet werden. Im unmittelbaren Vergleich etwas zu Write Monkey fehlt mir noch ein Scratch-Pad, um Splitter und Zitate zu sammeln. Und natürlich eine Option, um Nachschlagewerke direkt zu erreichen.

Export, Drucken und Veröffentlichen

Am Ende der Arbeit steht natürlich immer die Weitergabe des Dokuments. Und hier bietet Smart Down einige Möglichkeiten.

Drucken: Wenn Sie aus dem Backstage-Bereich die Funktion „Drucken“ wählen, erhalten Sie einen lupenreinen Ausdruck, und zwar nicht des Quelltextes, sondern ansprechend formatiert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und die Empfänger des Ausdrucks werden nicht bemerken, dass Sie in Markdown gearbeitet haben.

Veröffentlichen: Direkt im Backend können Sie auch ein Blog einrichten. Sie benutzen damit die bekannte xmlrpc-Schnittstelle. Diese muss in WordPress natürlich erst aktiviert werden. Danach richten Sie die URL zu diesem Skript ein, fügen noch den Benutzernamen und das Passwort hinzu. Danach exportieren Sie Ihren Text direkt als Blogeintrag.

Der eigentliche Export bietet einige Ausgabeformate:

  • Word: Das funktioniert reibungslos und legt ansehnliche Dateien an.
  • PDF: Leider scheint in der getesteten Version der Export von PDF Dateien kaputt zu sein. Es wird keine Datei angelegt. Hier wäre es natürlich günstig gewesen, wenn darüber auch offen auf der Webseite des Entwicklers informiert würde. Zwar wird die Software selbst als Beta bezeichnet, aber dennoch ist das enttäuschend.
  • HTML: Entweder als Datei oder auch nur in die Zwischenablage. Der Code ist sauber und ordentlich.
  • EPUB: Auch das funktioniert reibungslos. Die Datei ist wohlgeformt. Allerdings gibt es keine weiteren Einflussmöglichkeiten in die Gestaltung des finalen Buchs.
  • TextPack: Dies ist eine Besonderheit des Programms. Sie ist mit Sicherheit von „Pack & Go“ aus Powerpoint inspiriert. Wird diese Exportfunktion genutzt, werden der Text plus Meta-Informationen und alle referenzierten Bilder lokal in ein ZIP-Archiv gepackt. Dabei werden auch die Links auf das Material in relative Links konvertiert. Der Empfänger entpackt das Archiv und kann dann mit den lokalen Links und Referenzen weiterarbeiten.

Fazit: Gut, aber nicht perfekt und nicht ganz billig

Insgesamt hinterlässt SmartDown einen positiven Eindruck. Der Autor scheint mir auf einem guten Weg zu sein, einen tollen und rundum gelungenen Markdown-Editor zu entwickeln. Insbesondere, wenn der Beta-Status ernst genommen wird. Der eine oder andere Dialog könnte besser gestaltet sein (gerade die Rückmeldungen nach dem Export wirken noch sehr roh), aber insgesamt kann damit bereits heute gut gearbeitet werden. Allerdings ist SmartDown mit einem Lizenzpreis von knapp 25 Euro auch kein Schnäppchen. Da sollte dann zumindest auch der PDF-Export funktionieren. Insgesamt aber eine schöne Software.

Über Stephan Lamprecht (480 Artikel)
arbeitet als freischaffender Texter und Journalist in Ahrensburg bei Hamburg. Er schreibt Fachartikel für PR-Agenturen, Texte für Whitepaper und Internetseiten sowie Beiträge für Fachmagazine. Seit 1991 hat er mehr als 25 Fachbücher verfasst. Zu seinen Themen gehören IT, Social Media, CRM und Business-Intelligence, aber eben auch das Zeit- und Selbstmanagement. Er berät Autoren auf ihrem Weg zum Buch und unterstützt Startups und kleinere Softwareunternehmen in der Pressearbeit.

1 Trackbacks & Pingbacks

  1. Typora - Markdown Editor für Windows und Mac

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Seite verwendet Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren sowie Zugriffe zu analysieren. Diese Informationen geben wir an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Details Details

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close