RSS-Reader für das IPad – der Vergleich

Als Google die Einstellung seines Readers ankündigte, war ich etwas geschockt. Ich hatte gleich nach der Vorstellung des Dienstes meine OPML-Datei aus meinem lokalen Reader exportiert und dann bei Google hochgeladen. Google Reader hat mich über viele Jahre begleitet und wurde in Kombination mit dem Programm Reeder zu einem wichtigen Bestandteil meiner täglichen Arbeit. Wie alle Intensiv-Nutzer habe auch ich nach einer Alternative gesucht, mit der ich bequem und komfortabel auf dem iPad meine Feeds lesen und verwalten kann.

Anforderungen an einen Ersatz für Google Reader

Am liebsten wäre ich bei Reeder geblieben. Allerdings hat dessen Autor bisher lediglich angekündigt, die App für das IPad funktional auf den gleichen Stand wie die IPhone-Anwendung zu heben. Diese ist inzwischen bereits in der Lage auch andere Schnittstellen zu bedienen. Auf dem IPad geht dies noch nicht. Also stand nicht nur ein Wechsel des Feed-Anbieters an, sondern auch noch ein Wechsel der Lese-Software. Folgende Funktionen waren aus meiner Sicht dabei wichtig:

  • Unterstützung von Feedly und Fever als RSS-Lieferanten: Wie viele Nutzer, die RSS professionell einsetzen, habe ich mich schnell auf eine eigene Installation von Fever auf meinem Server gestürzt. Dank der Ansteuerung per Cron sind die RSS-Beiträge dort auch recht aktuell. Andererseits fand ich die Ankündigung von Feedly, eine eigene API herauszugeben auch spannend. Also habe ich dort ebenfalls ein Konto eingerichtet.
  • Integration von Buffer, Pocket und weiteren Sharing-Diensten

Feedly – der offizielle IPad-Client

Der Umstieg von Reeder auf die offizielle App aus dem Hause Feedly war alles andere als einfach. Feedly präsentiert die Nachrichten in einem Layout, das stark an ein Magazin erinnert. Inzwischen sind auch einige einfachere Varianten dazugekommen, aber verglichen mit Reeder erscheint das alles etwas verspielt. Auf den zweiten Blick ist Feedly ein durchaus brauchbarer Reader, gerade jetzt, wo der Service auch seine eigene Plattform als Backend einsetzt.

Die Oberfläche von Feedly

Alles funktioniert ein bisschen anders, aber mit Ausnahme der hervorragenden Readbility-Integration von Reeder ist alles vorhanden, was man sich so wünschen könnte:

Plus:

  • Nutzung von Feedly als Backend
  • Integration von Buffer und Pocket

Minus:

  • Keine Schnittstelle zu Fever

Sunstroke – Client für Fever

Die App Sunstroke versteht sich als Client für Fever. Die knapp 5 Euro teure Software hat vor wenigen Tagen ein großes Update hinter sich gebracht. Die Einrichtung des eigenen Zugangs ist sehr einfach. Das Layout ist klar gewählt. In den Einstellungen kann die automatische Aktualisierung auch der Daten des Servers bei Aufruf der Software ausgewählt werden. Nach meinen Erfahrungen ein Schritt, auf den Sie besser verzichten. Denn es dauernd dann einfach zu lange, wie Sunstroke alle Ergebnisse präsentiert. Das liegt allerdings nicht an der Software selbst, sondern an der Fever-Schnittstelle.

Artikeldetail unter Sunstroke

Insgesamt hinterlässt Sunstroke einen sehr guten Eindruck. Das größte Manko der Fever-Schnittstelle besteht momentan übrigens darin, dass Sie keinen neuen Feed über die Schnittstelle hinzufügen können. Dies muss tatsächlich über das Backend des Servers erfolgen.

Feedübersicht in Sunstroke

Plus:

  • Nutzung der Fever-API
  • Schnelle Synchronisation mit dem Fever-Server
  • Schöne Darstellung der Beiträge, die als »Hot« gelten
  • Unterstützung von Buffer, Pocket

Minus:

  • Keine Unterstützung von Feedly

Ashes – noch ein Client für Fever

Ashes kommt schlicht und funktional herüber. Die Feeds werden übersichtlich aus der Struktur der Fever-Installation übernommen. Auch an die Darstellung der Rubrik »Hot« wurde gedacht. Wie bei seinem Mitbewerber ist auch bei Ashes möglich, die Synchronisation der Feeds auf dem Server mit der Software anzustoßen oder eben zu ignorieren. Von der Darstellung der einzelnen Beiträge empfinde ich Sunstroke etwas gelungener.

Fever Feeds in Ashes

Aber rein an den Funktionalitäten der Fever-Schnittstelle erarbeitet sich keines der Programme einen Vorteil. Ashes unterstützt weniger Dienste als Sunstroke ist aber 2 Euro teurer.

Plus:

  • Nutzer der Fever-API
  • Schnelle Synchronisation
  • Darstellung der »Hot«-Artikel
  • Unterstützung von Buffer, Pocket

Minus:

  • Keine Unterstützung von Feedly

Mr. Reader – der perfekte Client?

Mr. Reader scheint auf den ersten Blick die beste Alternative zu sein, wenn Sie auf dem IPad Feeds lesen wollen. Dafür sorgt bereit die eindrucksvolle Liste an Quellen, die die Software seit dem letzten Update berücksichtigen kann:

  • Feedly
  • FeedBin
  • FeedHQ
  • FeedWrangler
  • Fever

Die Einrichtung ist sehr einfach. Wenn Sie mehrere Newsquellen einrichten wollen, wird dies über verschiedene Konten realisiert.

Feedübersicht in Mr. Reader

Sie können also nicht »mischen«. Ärgerlich dabei ist, dass Sie Ihre Vorlieben pro Konto anpassen und hinterlegen müssen. Haben Sie also einmal Ihren Zugang zu Pocket bei der einen Quelle angelegt, merkt sich die Software diese Option nicht. Sie müssen die Zugangsdaten also bei einer weiteren Quelle erneut hinterlegen. Andererseits ist die Liste der Dienste, über die Sie Nachrichten teilen können, schon sehr vollständig. Je länger Sie damit arbeiten, desto mehr Funktionen werden Sie bemerken, die einfach Spaß machen. Dazu gehört etwa auch eine mittels Schiebereglern umgesetzte Option, sich das Leselayout so angenehm wie möglich zu machen. Ich habe das Programm in der Synchronisation mit Feedly und Fever ausprobiert.

Sharing Optionen in Mr. Reader

Die Zusammenarbeit mit Feedly funktioniert perfekt. Was dort online ist, erhalten Sie auch in der Software. DIe Synchronisation ist schnell abgewickelt.

Leider sah das bei der Synchronisation mit Fever nicht ganz so gut aus. Im Vergleich zu Ashes und Sunstroke dauerte es länger, bis die Nachrichten abgerufen waren. Zum anderen, was viel ärgerlicher war. Ein Wechsel der Quelle war anschließend kaum noch möglich, da in den meisten Fällen Mr. Reader abstürzte. Offensichtlich ist die Fever-API noch etwas fragil, so dass Mr. Reader nicht feststellte, dass die Synchronisation eigentlich beendet war. Dennoch wurde der ansonsten wirklich überragenden Software dadurch etwas getrübt. Aber ich bin mir sicher, dass sich dieses Problem noch lösen lassen wird.

Plus:

  • Viele Services
  • API zu Feedly und Fever
  • Unterstützung von Pocket und Buffer

Minus:

  • Probleme an der Fever-Schnittstelle

Fazit

Wer mit dem offiziellen Client von Feedly Probleme hat, der greift beherzt zu Mr. Reader. Die Software kostet etwas mehr, bietet aber auch viel. Auch wer einen Client für Fever sucht, kann Mr. Reader einmal ausprobieren. Vielleicht treten die Probleme, die ich hatte, ja in diesem Fall nicht auf. Wer nach einem perfekten Client für Fever sucht, empfehle ich Sunstroke. Schön wäre allerdings, wenn der Entwickler von Fever möglichst schnell das Hinuzufügen von Feeds auch über die API ermöglichen könnte.

Über Stephan Lamprecht (480 Artikel)
arbeitet als freischaffender Texter und Journalist in Ahrensburg bei Hamburg. Er schreibt Fachartikel für PR-Agenturen, Texte für Whitepaper und Internetseiten sowie Beiträge für Fachmagazine. Seit 1991 hat er mehr als 25 Fachbücher verfasst. Zu seinen Themen gehören IT, Social Media, CRM und Business-Intelligence, aber eben auch das Zeit- und Selbstmanagement. Er berät Autoren auf ihrem Weg zum Buch und unterstützt Startups und kleinere Softwareunternehmen in der Pressearbeit.

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