Immobilien: Sollten Sie mieten oder kaufen?

Vielen Menschen hegen den Traum von den eigenen vier Wänden. Doch weniger als die Hälfte aller Bundesbürger verwirklicht sich diesen Traum auch. Die deutlich größere Mehrheit lebt weiter zur Miete. Bei der Frage, ob sich mieten oder doch kaufen lohnt, spielt nicht nur die (Finanz-)mathematik eine Rolle.

Ohne die Aufnahme eines eines [wpseo]Darlehens[/wpseo] kann sich kaum jemand den Erwerb einer [wpseo]Immobilie[/wpseo] leisten. Verglichen mit dem historischen Verlauf befinden sich die Darlehenszinsen derzeit noch auf einem niedrigen Niveau. In den vergangenen 18 Monaten konnte aber ein leichter Anstieg der Zinsen beobachtet werden. Die Talsohle des Zinstiefs gilt nach Meinung von Experten als überschritten. Mussten Ende der 70er Jahre noch etwa zwischen 7% und 8% für ein Darlehen gezahlt werden, sind es derzeit unter vier Prozent. Die Zeiten für den Immobilienerwerb sind also günstig, aber lohnt er sich auch?

Rechenmodelle bieten nur bedingt Klarheit

Finanzierungsvermittler, Banken und Verbraucherzentralen bieten auf ihren Internetseiten Vergleichs- und Modellrechner, die die Frage beantworten sollen, wer denn am Ende seines Lebens finanziell besser dasteht: [wpseo]Eigentümer[/wpseo] oder Mieter. Die Frage ist allerdings nicht ganz so einfach zu beantworten, da alle Modelle von diversen Annahmen ausgehen. Dabei spielt die angenommene Wertsteigerung für das Eigenheim ebenso eine Rolle wie die Höhe der Ersparnisse des Mieters. Die Entwicklungen auf den Kapitelmärkten besitzen natürlich ebenfalls einen Einfluss. Ein wichtiger Einflussfaktor ist schließlich die Zeit. Die Faustregel zeigt, dass in den ersten Jahren die Mieter meist günstiger fahren, während über die Laufzeit der Darlehen am Ende der Eigentümer, wenn auch meist knapp, die Nase vorn hat. Einen Rechner finden Sie bei Stiftung Warentest.

Machen Sie den Realitäts-Check

Natürlich ist das freistehende Einfamilienhaus mit Garten ein schöner Traum. Aber wer sich mit dem Gedanken trägt, diesen zu verwirklichen, sollte unbedingt zunächst Traum und Realität miteinander vergleichen. Wer eine Netto-Kalt-Miete von 900 Euro aufbringt, kann damit derzeit ein Darlehen um die 250.000 Euro bedienen. Wohlgemerkt ohne weitere finanzielle Einschränkungen.

Vom Darlehensbetrag müssen allerdings noch die Anschaffungsnebenkosten, zum Beispiel Notargebühren und Grunderwerbssteuer, abgezogen werden, so dass effektiv für den Kauf circa 5% weniger zur Verfügung stehen. Der Blick in die Tageszeitung oder Portale zeigt schnell, ob sich in der Region mit diesem Betrag ein Haus kaufen oder bauen lässt. In gefragten Lagen oder Ballungsräumen reicht diese Summe beispielsweise häufig nicht aus, sofern kein Eigenkapital vorhanden sein sollte.

Sind Sie bereit, Ihre Lebensgewohnheiten zu ändern?

Die Modellrechner, insbesondere die der Vermittler von [wpseo]Immobilienfinanzierungen[/wpseo], sind unter Experten nicht unumstritten. Schließlich dienen sie ja in erster Linie dem Ziel, zukünftige Darlehensnehmer zu gewinnen. Die Modell vernachlässigen völlig persönliche Vorlieben und finanzielle Gewohnheiten. So sind Mieter finanziell flexibler. Sie müssen keine Rücklagen für die Instandhaltung der Immobilie bilden. So ist die eine oder andere Extra-Anschaffung immer drin. Wie Untersuchungen immer wieder ergeben, legen Immobilienbesitzer mehr Geld auf die hohe Kante als Mieter. Und das zusätzlich zu den Raten für das Immobiliendarlehen selbst. Hier steht der Wunsch nach Absicherung des Eigenheims auch im Falle einer finanziellen Krise, die durch Arbeitslosigkeit, Scheidung oder Krankheit hervorgerufen werden kann, offensichtlich im Fokus. Potentielle Häuslebauer sollten sich überlegen, ob Sie ebenfalls diese Disziplin aufbringen werden.

Die Immobilie macht Sie immobil

Die Kalkulation einer [wpseo]Finanzierung[/wpseo] ist lediglich eine Seite der Medaille, die Sie betrachten sollten. Die Anschaffung einer Immobilie lohnt sich nur dann für Sie, wenn Sie davon ausgehen, längere Zeit an Ihrem Wohnort zu verbleiben. Ist absehbar, dass Sie aus beruflichen Gründen umziehen müssen, sollten Sie sich die Anschaffung sehr genau überlegen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit bringt der vorzeitige Verkauf einen Verlust mit sich. Die rechnerische Wertsteigerung des Objekts wird durch die hohen zusätzlichen Anlaufkosten (Erwerbsnebenkosten, unter Umständen auch Maklercourtage) aufgefressen. Müssen Sie ein Darlehen bedienen, wird das Kreditinstitut bei Kündigung vor Ablauf der Zinsbindung eine so genannte Vorfälligkeitsentschädigung verlangen, um den entgangenen Zinsverlust zu kompensieren.

Immobilie als Altersvorsorge

Ihre Entscheidung für oder gegen den Immobilienerwerb sollten Sie nicht davon abhängig machen, ob sich das Eigenheim nun als Baustein für die [wpseo]Altersvorsorge[/wpseo] rechnet oder nicht. Wer sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzt, wird im Internet und der Fachliteratur unterschiedlichste Berechnungen finden. Teilweise sollen die eigenen vier Wände sogar die Rendite von Gold oder Aktien schlagen. Da es sich dabei immer nur um Momentaufnahmen handelt, kann sich das Verhältnis aber auch schnell wieder zu Gunsten der Mieter umkehren. Fragen Sie sich also, ob Sie den langen Atem haben, 20 oder gar 30 Jahre Ihren Traum zu finanzieren. Denn in erster Linie handelt es sich bei den eigenen vier Wänden ja nicht um ein Rendite-Objekt, sondern um Ihr zu Hause. Und das hat ja auch bereits einen Wert für sich, ganz abseits aller Zahlen.

Titelbild: Thorben Wengert / pixelio.de

Über Stephan Lamprecht (480 Artikel)
arbeitet als freischaffender Texter und Journalist in Ahrensburg bei Hamburg. Er schreibt Fachartikel für PR-Agenturen, Texte für Whitepaper und Internetseiten sowie Beiträge für Fachmagazine. Seit 1991 hat er mehr als 25 Fachbücher verfasst. Zu seinen Themen gehören IT, Social Media, CRM und Business-Intelligence, aber eben auch das Zeit- und Selbstmanagement. Er berät Autoren auf ihrem Weg zum Buch und unterstützt Startups und kleinere Softwareunternehmen in der Pressearbeit.

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