Sparrow und Mailplane: Zwei Mailclients für Google Mail (Mac)

Google spielt in meinen Workflows eine wichtige Rolle. Da ich viel in reinem Text schreibe (Beitrag zu meinem Workflow mit Multimarkdown), ist „Texte und Tabellen“ für mich eine simple Möglichkeit, von überall Zugriff auf meine Dokumente zu erhalten. Als Besitzer eines Android-Smartphones ist der Einsatz von Google Mail und Kalender fast Pflicht. Ohne weitere Zusatzkosten habe ich stets Zugriff auf meine Mails. Ab und zu nutze ich auch das Browser-Interface, allerdings mag ich einen regulären Mail-Client doch lieber, da dieser besser mit dem Betriebssystem interagiert.

Google und IMAP: ein Graus

Um bequem auf die bei Google gespeicherten Mails zugreifen zu können, ist der IMAP-Zugang obligatorisch. Dieser muss also zunächst aktiviert werden. Und damit fangen die Probleme (leider) an. Denn, wie Google den IMAP-Standard interpretiert, ist zumindest diskussionswürdig. Daraus resultiert dann das Problem, dass Programme, die eigentlich mit IMAP sehr gut zurecht kommen, so ihre Schwierigkeiten haben. Abhilfe seitens Google sehe ich da nicht, denn schließlich erhalte ich auf diesem Weg dann ja auch keine Werbung zu sehen.

Mail.app und Outlook 2011

Das in MacOS integrierte Mailprogramm kann nach ein paar Anpassungen mit Google Mail zusammenarbeiten. Wenn der Software erst einmal vermittelt worden ist, welche Ordner etwa für Entwürfe und gesendete Nachrichten verwendet werden sollen, funktioniert das ganz passabel. Für Einsteiger ist Mail.app sicherlich auch die richtige Wahl. Wer E-Mail als seine Hauptkommunikation nutzt, vermisst schnell das eine oder andere.

Das neue Outlook 2011 bietet zwar eine Fülle an Funktionen, aber in Kombination mit Google Mail erwächst die Arbeit zum Geduldspiel. Das Verschieben von Nachrichten kann Ewigkeiten dauern und das größte Problem ist, dass Outlook sich beharrlich weigert, bereits gelesene Objekte als solche zu erkennen und diese erst einmal selber auf gelesen setzen will. Bei 64000 Mails neigt die Software dann aber an Selbstüberschätzung und steigt einfach aus. Schauen wir uns also in diesem Vergleich Mailplane und Sparrow an.

Bedienung und Optik

Sparrow begrüßt den Anwender mit einer geradezu aufregend ästhetischen und schlichten Oberfläche, die stark an den offiziellen Twitterclient erinnert. Im Zentrum des Bildschirms steht die Nachrichtenliste, durch die Sie sich wie in einer Timeline bewegen. Über die Icons am linken Rand des Programmfenster wechseln Sie zwischen Eingangskorb, markierten Nachrichten, den gesendeten Objekten und Ihren Entwürfen.

Oberfläche von Sparrow

Entscheiden Sie sich hier für den Eintrag Labels, wählen Sie zwischen den eingerichteten Etiketten mit einem Listenfeld am oberen Bildschirmrand. In der Übersicht werden nur die ersten Zeilen einer Mail dargestellt. Wenn Sie den Text vollständig lesen wollen, klicken Sie die Nachricht entweder doppelt an oder aktivieren die Vorschaufunktion. Diese erreichen Sie über das kleine Icon am rechten unteren Bildschirmrand.

Mailplane wählt einen völlig anderen Ansatz. Innerhalb des Programmfensters wird dem Anwender der Zugriff auf die klassische GMail-Oberfläche gewährt. Wenn Sie eine Mail öffnen oder beantworten, geschieht dies also direkt in Google Mail. Die Experten unter Ihnen werden jetzt einwenden, dass sich dazu dann auch Fluid eignen würde, wären da eben nicht die Zusatzfunktionen, die Google Mail mit MacOS auf angenehme Weise verbinden.

Oberfläche von Mailplane

Tägliche Arbeit

Sobald Sparrow gestartet ist, sieht die Software automatisch nach eingehenden Nachrichten. Haben Sie Growl installiert, wird Ihnen eine eingehende Mail kurz signalisiert. Die Zahl ungelesener neuer Nachrichten zeigt Ihnen das Programm zusätzlich in der Menüleiste. Das Durchsehen des Eingangskorbs ist dank der Symbolleiste am oberen Bildschirmrand schnell erledigt. Mit einem Mausklick archivieren oder löschen Sie einen Eintrag. Möchten Sie dagegen ein Label vergeben, ruft ein Rechtsklick das Kontextmenü auf. Dort entscheiden Sie sich für eine der eingerichteten Etiketten.

Wollen Sie eine neue Mail schreiben oder beantworten, öffnet Ihnen Sparrow einen eigenen, generischen Dialog. Hier können Sie die in Mac OS integrierte Rechtschreibprüfung genauso nutzen, wie Sie einen Empfänger aus Ihrem Adressbuch wählen. An das Werbebanner, das derzeit über der Nachrichtenliste platziert ist, werden Sie sich schnell gewöhnen. Schließlich müssen Sie ja nicht auf die Adsense-Werbung von Google selbst schauen.

Nachrichten schreiben in Sparrow

Mailplane bietet zwar auch eine Symbolleiste an, die meisten dort enthaltenen Funktionen erreichen Sie aber auch unmittelbar über die Google Oberfläche. Interessanter sind die Objekte, die sich im rechten Bereich der Leiste befinden. Mit E-Mail greifen Sie auf Ihr Adressbuch zu. Die Daten werden dann an Google übergeben, und der Dialog zum Schreiben einer Nachricht geöffnet. Nützlich, wenn Sie häufiger Fotos versenden, ist der Eintrag Medien. In einem separaten Fenster greifen Sie auf iTunes oder iPhoto zu und können so Objekte in eine Mail übernehmen.

Medienbrowser in Mailplane

Beide Programme unterstützen das Hinzufügen von Dateianhängen per Drag & Drop, ganz ohne die Nutzung von Chrome oder einem Add-in. Das macht das Arbeiten sehr angenehm. Mailplane integriert sich zusätzlich auch in Launchbar. Damit senden Sie Dateien direkt aus dem Launcher zu Google Mail.

Die Sache mit dem Alias – Einstellungen

Soweit erfüllen beide Anwendungen im Alltag ihren Zweck. Ein Blick in die Optionen der beiden Programme zeigt aber schon deutliche Unterschiede. Die Einstellungen von Sparrow sind ebenso übersichtlich wie die Oberflächengestaltung. Ein wesentlicher Unterschied wird dann sichtbar, wenn Sie in Google die Funktion des Alias einsetzen.

Generell ist es damit ja möglich, verschiedene Postfächer auch bei anderen Providern zu bearbeiten und die Nachrichten in Google zu sammeln. Bei einem einfachen Alias können Sie darüber auch Nachrichten versenden. Im Pfad der Nachricht wird in diesem Fall aber sichtbar, dass die Mail von gmail.com versendet worden ist. Das führt in Outlook dazu, dass das Programme Ihnen anzeigt, Sie haben eine Nachricht des Absender im Auftrag des Google Accounts erhalten. Das sieht unschön aus und ist verwirrend. Genau diesen einfachen Weg unterstützt Sparrow.

Mailplane dagegen nutzt die Einstellungen, die bei Google selbst hinterlegt sind. Denn dort können Sie in den Einstellungen der Konten eine abweichenden Server für das Versenden der Nachricht einsetzen. Diese wird dann auch bei der Nutzung des Alias verwendet. Das Mailplane technisch ja lediglich die Google Nutzeroberfläche integriert, bleiben diese Einstellungen erhalten. Meine Empfänger erhalten also ihre Nachrichten direkt über meinen eigenen SMTP-Server, was sich dann auch im Pfad der Nachricht zeigt. Wenn Ihnen diese Funktion ebenfalls wichtig ist (etwa weil Sie Google Apps für Ihre Domain einsetzen), müssen Sie derzeit zwangsläufig zu Mailplane greifen.

Fazit

Sparrow sieht aufregend aus und ist ein stabiles Werkzeug, um damit seine elektronische Post bei Google Mail geschickt zu verwalten. Schwächen besitzt das Programm in den tiefergehenden Funktionen, wie bei der Nutzung mehrere externer Mailkonten. Für den Einsatz spricht wiederum, dass sich die Entwickler die Mühe gemacht haben, eine generische Oberfläche zu entwickeln.

Mailplane punktet durch die gute Unterstützung der erweiterten Google Funktionen und die schöne Integration in Launchbar. Auch der eigene Zugriff auf die Medienbibliothek stellt einen Pluspunkt dar. Auch wenn Sie damit direkt mit der Google Oberfläche arbeiten, hat das Programm die Nase vorn.

Über Stephan Lamprecht (480 Artikel)
arbeitet als freischaffender Texter und Journalist in Ahrensburg bei Hamburg. Er schreibt Fachartikel für PR-Agenturen, Texte für Whitepaper und Internetseiten sowie Beiträge für Fachmagazine. Seit 1991 hat er mehr als 25 Fachbücher verfasst. Zu seinen Themen gehören IT, Social Media, CRM und Business-Intelligence, aber eben auch das Zeit- und Selbstmanagement. Er berät Autoren auf ihrem Weg zum Buch und unterstützt Startups und kleinere Softwareunternehmen in der Pressearbeit.

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