Ulysses – eine flexible Software für Schriftsteller und andere Autoren (Mac)

In Form einer kleinen Reihe habe ich vor einiger Zeit an dieser Stelle Programme für Schriftsteller, Journalisten und andere Autoren vorgestellt. Es war klar, dass damit kaum eine erschöpfende Marktübersicht gegeben werden konnte, sondern eher einige bekannte Anwendungen herausgegriffen werden sollten. Je länger man sich aber mit dem Thema «Professionelles Schreiben am Computer» beschäftigt, desto mehr Programme werden Sie finden. Darunter auch solche, die es lohnen, sie einmal zu testen und sich damit intensiver zu beschäftigen. Dazu zählt unbedingt das Programm Ulysses, das für den Mac angeboten wird.

Die Software propagiert das «semantische Schreiben». Damit meinen die Entwickler, dass das Programm zwischen Inhalt und der Präsentation unterscheidet. Im Gegensatz zu Word oder anderen Programmen finden Sie in Ulysses keine Formatierungsleiste. Auch Fett- oder Kursivdruck werden Sie vermissen. Sie markieren die Bedeutung einer Textpassage durch einfach zu merkende Kürzel, die Sie direkt im Text notieren. Auf diese Weise kennzeichnen Sie beispielsweise die Überschrift eines Kapitels oder eines Abschnitts. Diese erhalten ihre Formate dann während des Exportierens aus dem Programm. Doch dazu später.

Willkommensdialog in Ulysses

Unmittelbar nach dem Programmstart werden Sie von einem Dialog begrüßt, über den Sie ein neues Projekt anlegen oder ein bereits vorhandenes Projekt öffnen können. Ulysses versteht unter einem Projekt eine Sammlung von Dokumenten und den dazu gehörenden Notizen. Bei der Organisation Ihrer Arbeit sind Sie dabei völlig frei. So könnten Sie die einzelnen Kapitel eines Buches in einem Projekt zusammenfassen oder Sie legen ein Projekt an, in dem alle Ihre Blogbeiträge gespeichert werden.

Sobald das Projekt angelegt ist, öffnet sich die eigentliche Programmoberfläche. Diese untergliedert sich in verschiedene Bereiche:

Hauptprogrammfenster von Ulysses

Der linke Teil der Navigation zeigt Ihnen die zum Projekt gehörenden Dokumente mit ihrem aktuellen Bearbeitungsstatus an. Außerdem erhalten Sie eine kurze Vorschau auf den Inhalt. Im rechten Teil des Fensters haben Sie Zugriff auf die Notizverwaltung des Programms. Innerhalb des Containers mit den Informationen erkennen Sie, wie viel Sie bereits geschrieben haben und können auch den Bearbeitungsstatus des Dokuments ändern. Im Zentrum des Programmfensters steht aber der Editor. Dieser ist angenehm schlich gestaltet und damit sehr schnell.

Wie bereits angedeutet, können Sie Textpassagen mittels eigener Tags eine Bedeutung zuweisen. Ulysses kommt im Auslieferungszustand mit einigen wenigen dieser Tags aus. Dabei sind drei Typen zu unterscheiden: Auszeichnungen für einen gesamten Absatz, etwa für Überschriften. Auszeichnungen für Textpassagen, etwa zur Betonung von Passagen und schließlich Markierungen, die lediglich innerhalb des Programms eine Rolle spielen. Das ist ganz praktisch, wenn Sie etwa Kommentare oder ähnliche Kennzeichnungen setzen wollen. Eigene Stile legen Sie ganz einfach in den Einstellungen des Programms fest. Dort können Sie ebenfalls definieren, wie der jeweilige Stil später im Editor dargestellt wird. Auch diese Kennzeichnung hat mit späteren Erscheinungsbild des Textes immer noch nichts zu tun.

Definition von Absatzstilen in Ulysses

Ulysses hilft seinem Anwender, sich vollständig auf das Schreiben zu konzentrieren. Zum einen mittels eines Vollbildmodus, der die gesamte Oberfläche ausfüllt, aber den Zugriff auf die unterschiedlichen Bereiche bewahrt. Zum Programm gehört auch der Terminal-Modus, der den Text in den Mittelpunkt stellt und alle anderen Bildschirmelemente ausblendet. Retro-Liebhaber kommen hier voll auf ihre Kosten, denn es ist auch ein Vorlauf wie zu Zeiten der Schreibmaschine möglich.

Terminalmodus in Ulysses

Natürlich können Sie auch Grafiken in den Text einbauen. Allerdings werden diese lediglich als Verweise dargestellt. Neben der Notizverwaltung finden Sie einige weitere Komfortfunktionen, die Ihnen beim Suchen und Ersetzen von Textteilen, aber auch beim Konvertieren von Passagen helfen. Beim Thema Rechtschreibung greift Ulysses auf die auf dem Mac vorhandenen Funktionen zurück.

Wer bereits mit anderen Programmen Texte geschrieben hat, wird diese in den meisten Fällen problemlos in der Software öffnen können. RTF oder Word: Kein Problem für Ulysses. Es gehört aber zum Konzept der Software, dass Sie auf Ihre Formatierungen verzichten müssen.

Ist Ihr Text soweit fertig, geht es an die Ausgabe. Dazu bedienen Sie sich der Funktion „Exportieren„. Derzeit stehen Ihnen PDF, Word, Text und LaTex zur Verfügung. Um LaTex nutzen zu können, müssen Sie auf Ihrem System allerdings noch zusätzlich eine entsprechende Engine installieren. Ein Web-Export befindet sich aktuell in der Betaphase. Diesen habe ich ebenfalls ausprobiert, aber dabei gab es doch den einen oder anderen Fehler, so dass ich diesen noch nicht als für die Produktion geeignet finde. In den Einstellungen des Exports legen Sie im Anschluss im Detail fest, wie Ihre Markierungen interpretiert werden sollen. So können Sie die Formate auch an Ihre Bedürfnisse anpassen, wenn Ihnen die Vorschläge nicht gefallen.

Textexport in Ulysses

Ulysses ist ein sehr komfortables Werkzeug für alle, die viel schreiben. Darauf liegt auch die Betonung. Sie können sich auf Ihren Text konzentrieren, sind bei der Ausgabe aber flexibel genug, um ansprechende PDF-Dateien oder auch Word-Dokumente zu erhalten, die dann weiterverarbeitet werden können. Mit knapp 45 Euro für eine Lizenz ist das Werkzeug nicht einmal teuer.

Über Stephan Lamprecht (480 Artikel)
arbeitet als freischaffender Texter und Journalist in Ahrensburg bei Hamburg. Er schreibt Fachartikel für PR-Agenturen, Texte für Whitepaper und Internetseiten sowie Beiträge für Fachmagazine. Seit 1991 hat er mehr als 25 Fachbücher verfasst. Zu seinen Themen gehören IT, Social Media, CRM und Business-Intelligence, aber eben auch das Zeit- und Selbstmanagement. Er berät Autoren auf ihrem Weg zum Buch und unterstützt Startups und kleinere Softwareunternehmen in der Pressearbeit.

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