Snagit vs. Snapz Pro: Welches Programm für Screenshots? (Mac)

Wie jedes andere Betriebssystem bietet auch Mac OS eine Funktion, mit der sich per Tastenkombination schnell der Inhalt des Bildschirms aufnehmen und in einer Bilddatei speichern lässt. In den allermeisten Fällen reicht diese Funktion bereits aus. Anders sieht es aus, wenn die Bildschirmfotos Teil von Schulungsunterlagen und etwa nur bestimmte Bereiche des Programmfensters aufgenommen werden sollen. Möchten Sie lediglich ein aktives Menü abbilden, ist die Aufgabe mit der eingebauten Funktion etwas fummelig und erfordert in den meisten Fällen Aufwand für die Nachbearbeitung. So greifen Profis und Autoren zu externen Programmen, die einfach mehr Möglichkeiten bieten. Ein Klassiker für Mac OS ist Snapz Pro. Es ist seit Jahren bewährt und hat dabei seine einfache Oberfläche bewahren können. Mit Snagit liegt nun ein Klassiker der Windows-Welt erstmals für den Mac vor. Grund genug, sich beide Programme einmal genauer anzusehen.

Installation und Einrichtung

Beide Anwendungen können Sie vor dem Erwerb einer Lizenz auf Herz und Nieren prüfen. Auf den Herstellerseiten wird eine Testversion zum Download angeboten. Da sich die Programme recht tief in das System einbinden, genügt es nicht, die DMG-Dateien in den Anwendungsordner zu ziehen. Stattdessen bieten beide ein übersichtliches Setup, das Sie durch die notwendigen Schritte geleitet. Während Snapz Pro bereits lokalisiert vorliegt, müssen die Nutzer von Snagit noch auf deutsche Dialoge verzichten.

Snapz Pro bindet sich als Dienst auf dem System ein und wird über das korrespondierende Anmeldeobjekt unmittelbar beim Systemstart geladen. Wenn Sie nichts anderes einstellen, belegt die Software die auf dem Mac ohnehin verfügbaren Tastenkürzel für die Bildschirmaufnahmen. Snagit starten Sie als Anwendung über den Programmordner, können aber natürlich auch dort den Aufruf beim Systemstart einrichten.

Aufnahme von Bildschirmelementen

Snapz Pro bietet nach dem Aufruf des Kürzels vier verschiedene Optionen an: Sie können damit den gesamten Bildschirm, einen frei definierbaren Ausschnitt, einzelne Objekte und schließlich eine Filmsequenz aufnehmen. Entscheiden Sie sich für den Ausschnitt, wird die Arbeitsfläche leicht abgedunkelt und Sie ziehen einen Rahmen für den zu fotografierenden Bereich auf. Bei Objekten müssen Sie das gewünschte Fenster oder den Ausschnitt daraus einfach mit der Maus anklicken. Wenn Sie ein Menü abbilden wollen, rufen Sie dieses zunächst auf, betätigen das Kürzel und klicken das Menü an.

Snagit kennt zwei verschiedene Aufnahmemodi: Beim »Window-Capture« ordnet das Programm alle laufenden Fenster wie in Expose auf dem Bildschirm an. Mit einem Mausklick treffen Sie anschließend die Auswahl und nehmen das gewünschte Fenster auf. Der Modus »All-in-one-Capture« ist dagegen vielseitiger. Mittels Klicken und Ziehen definieren Sie einen freien Ausschnitt. Das Programm erkennt aber auch Objekte, wie etwa Menüs oder geöffnete Dialoge. Eine Besonderheit des Programms: Platzieren Sie den Cursor über einem Browserfenster, dessen Inhalt gescrollt werden muss, können Sie mit einem Klick auf ein eingeblendetes Symbol den Bildschirminhalt automatisch blättern lassen. Auf Ihrem Screenshot ist also der komplette Inhalt einer Webseite zu sehen. Die Aufnahme von Filmen beherrscht das Werkzeug dagegen nicht. Das ist auch nicht verwunderlich, denn der Hersteller Techsmith bietet seit Jahren das Programm Camtasia an, das für die Aufnahme von Videosequenzen gedacht ist.

Zeitversetzte Aufnahmen

In dieser Kategorie kann lediglich Snagit punkten. In den Optionen der Software aktivieren Sie eine Zeitverzögerung in einem beliebigen Intervall. Nach dem Aufruf des gewünschten Modus blendet Ihnen die Software deutlich sichtbar einen Countdown ein. So haben Sie genügend Zeit, eine bestimmte Situation in einem Programm oder auf dem Desktop zu arrangieren, bevor diese aufgenommen wird. Bei Snapz Pro müssen Sie alles arrangiert haben, bevor Sie mit der Aufnahme beginnen.

Einstellungen von Snagit

Bearbeitungsfunktionen

Im Dialog, der vor der eigentlichen Bildschirmaufnahme erscheint, können Sie in Snapz Pro den Schalter »Vorschau« aktivieren. Damit wird Ihnen der Bereich, den Sie aufnehmen, exakt so angezeigt, wie dieser später von der Software auch gespeichert wird. So können Sie sich von den Effekten überzeugen, die das Programm auf das Bild anwenden kann. Dazu gehören verschiedene Rahmenformen, aber auch das Unterlegen des Bildes mit einem Schlagschatten. Außerdem kann Snapz Pro die Bilder mit einem Wasserzeichen unterlegen. Dieses müssen Sie allerdings separat mit einem anderen Programm anlegen. Die Software liest dann lediglich den Inhalt eines Verzeichnisses aus und bietet die dort gespeicherten Grafiken zur Auswahl an. Weitergehende Bearbeitungsfunktionen bietet das Programm nicht an. Sie können in seinen Einstellungen allerdings die Übergabe eines Screenshots an eine Grafikanwendung aktivieren. Voraussetzung dafür ist, dass Sie Freehand einsetzen und auf dem Rechner installiert haben.

Vorschaufunktion in Snapz Pro

Wer regelmäßig Screenshots von Mailprogrammen oder ähnlichen Anwendungen anfertigt, muss die dargestellten Inhalte so gut wie möglich anonymisieren. Und gerade einfache Bildbearbeitungsfunktionen habe ich persönlich bisher am meisten an Snapz Pro vermisst. Snagit öffnet nach der Aufnahme das Foto innerhalb einer kleinen Bildbearbeitung. Sie können alle Fotos aber auch zu einem separaten Zeitpunkt bearbeiten. Zunächst werden die Aufnahmen in einem besonderen Verzeichnis als Projektdaten abgelegt. Der Bildeditor bietet Zugriff auf die Werkzeuge und Effekte. Sie können einen Bildschirmfotos mit Anmerkungen versehen, beispielsweise mit Sprechblasen oder Pfeilen, um auf besondere Elemente hinzuweisen. Um Passagen unkenntlich zu machen, nutzen Sie einfach das Werkzeug »Blur« und ziehen es über den Bereich. Zu den Effekten gehören nicht nur Schatten, sondern auch die Spiegelung oder perspektivische Anordnung des Bildes. Das alles funktioniert mit einem Mausklick. Jedes Tool verfügt aber auch über separate Einstellungen, so dass Sie den Effekt an Ihre Vorstellungen anpassen können. Da der Editor auch externe Dateien laden kann, besitzen Sie mit Snagit also auch sofort ein leicht bedienbares Grafikprogramm.

Bildbearbeitung in Snagit

Dateimanagement

Sollen zahlreiche Bildschirmfotos erstellt werden, ist es natürlich angenehm und zeitsparend, wenn sich die Software um das automatisch Speichern der Dateien und die Dateinamen kümmert. In den Optionen von SnapzPro hinterlegen Sie nicht nur einen Ordner, in dem die gemachten Aufnahmen automatisch abgelegt werden, sondern können auch einen Dateinamen vorgeben. Diesen können Sie dann bei Bedarf kurz um eine Nummerierung ergänzen. Das geht schnell und ist sehr komfortabel gelöst.

Einstellungen in Snapz Pro

Das Konzept von Snagit sieht etwas anders aus. Hier werden alle Bildschirmfotos in einem Projektordner gespeichert. Sie können also zunächst alle Abbildungen erstellen und diese gesammelt bearbeiten. Anschließend kümmern Sie sich um das finale Speichern der Datei. Sie exportieren damit also die Abbildung aus dem Programm. Ist dieser Vorgang erfolgt, wird die zugehörende Projektdatei gelöscht. Leider sieht das Programm keinen Mechanismus vor, um die Bezeichnungen zu automatisieren oder die Abbildungen mit einer fortlaufenden Nummer zu versehen. Das würde die Arbeit allerdings erleichtern.

Fazit

Snagit kann aus dem Stand heraus überzeugen. Insbesondere bei den Bildbearbeitungsfunktionen und dem automatisierten Scrollen von Internetseiten kann Snapz Pro nicht mithalten. Zudem ist eine Lizenz von Snagit rund 20 Doller günstiger (49,95 US-Dollar). Wer allerdings sowohl Screenshots als auch Bildschirmfilme aufnehmen will, sollte sich für Snapz Pro entscheiden, da eine Kombination von Camtasia und Snagit mit rund 150 Dollar zu Buche schlagen würde. Allerdings darf nicht verschwiegen werden, dass Camtasia deutlich mehr Funktionen in Sachen Nachbearbeitung der Videos anbietet.

Über Stephan Lamprecht (479 Artikel)
arbeitet als freischaffender Texter und Journalist in Ahrensburg bei Hamburg. Er schreibt Fachartikel für PR-Agenturen, Texte für Whitepaper und Internetseiten sowie Beiträge für Fachmagazine. Seit 1991 hat er mehr als 25 Fachbücher verfasst. Zu seinen Themen gehören IT, Social Media, CRM und Business-Intelligence, aber eben auch das Zeit- und Selbstmanagement. Er berät Autoren auf ihrem Weg zum Buch und unterstützt Startups und kleinere Softwareunternehmen in der Pressearbeit.

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