Tools für Autoren (2): Storyist

Nach Scrivener setzt das Programm Storyist den Reigen in der kleinen Rundschau auf den Markt von Softwarewerkzeugen für Autoren fort. Auch dieses Programm ist exklusiv für MacOS erhältlich, wobei die Einzellizenz mit 59 Dollar zu Buche schlägt. Das Programm ist bisher ausschließlich in englischer Sprache verfügbar und begrüßt den Anwender nach dem Start mit einigen Projektvorlagen. Der klassische Roman sowie ein Drehbuch / Bühnenstück werden hierbei angeboten. Wie Scrivener möchte auch dieses Tool den Autoren ganzheitlich unterstützen. Es geht also nicht allein um das Schreiben, sondern auch die Sammlung von Material und das Zeichnen von Charakteren. Statt eines Tutorials sind in der Vorlage bereits einige Dokumente enthalten. Außerdem legt die Software auch gleich eine Struktur an.

Vorlagen in Storyist

Die Oberfläche gliedert sich in zwei große Bereiche. Im linken Teil hat die Dateiverwaltung ihren Platz gefunden. Hier sammeln Sie nicht nur die einzelnen Texte, sondern auch Notizen, Setups, Charakterbeschreibungen oder auch Bilder. Über das Menü «Window» teilen Sie bei Bedarf die Ansicht auf. So bleiben sowohl das Manuskript als auch die entsprechenden Materialien im Blick.

Geteilte Ansicht in Storyist

Wie auch schon bei Scrivener besticht der eigentliche Editor durch Schlichtheit. Sie beginnen direkt auf der Seite mit dem Schreiben. Eine Liste mit Formaten suchen Sie vergeblich. Um Ihnen das Strukturieren des Textes zu erleichtern, kennt Storyist allerdings Stile. Am bequemsten weisen Sie einen Stil über das Kontextmenü zu. Damit unterscheiden Sie Kapitelüberschriften, Titel für einzelne Abschnitte und natürlich den Fließtext. Diese werden dann auch programmintern genutzt, um Ihnen eine andere Sicht auf das Manuskript zu erlauben.

Sofern sich die Schreibmarke in einem leeren Absatz befindet, fördert der Druck auf die Eingabetaste eine Auswahl auf den Schirm, über die Sie den gewünschten Stil für den Text übernehmen. Ebenfalls über das Kontextmenü erreichen Sie einen Dialog, mit dem Sie die Stilvorlage an Ihre Wünsche anpassen können. Die angebotenen Möglichkeiten sind durchaus beeindruckend. Aber diese Vielfalt darf nicht darüber täuschen, dass es Storyist um die Bearbeitung der Texte und den Schreibprozess geht. Ein Satzprogramm ist die Software nicht und will es auch gar nicht sein.

Auswahl von Stilen in Storyist

Auch dieses Programm bietet einen Vollbildmodus. Dieser lässt Sie wohltuenderweise ganz mit Ihrem Text allein. Erst wenn Sie den Mauszeiger etwas an den linken Rand bewegen, scrollt weich die Übersicht des Projekts in das Bild. Weitere störende Faktoren gibt es dabei nicht, wobei der Vollbildmodus die letzte Ansicht auf das Projekt übernimmt. Haben Sie also vorher mit der geteilten Ansicht gearbeitet, wird diese anschließend auch im Vollbild dargestellt. Schließlich darf der Gliederungsmodus nicht vergessen werden. Was wäre ein solches Programm ohne Outliner?

Sehr gelungen ist die grafische Darstellung der Materialsammlung. Wenn Sie einen Charakter hinzufügen, notieren Sie seine Eigenschaften und Vita nicht nur auf der Karteikarte. Direkt aus dem Finder können Sie auch Bilddateien in das Programmfenster ziehen, sodass Sie auch eine visuelle Inspiration erhalten. Diese einfache Sammlung von Material zählt sicherlich zu einer der Stärken des Programms.

Um Ihre Dokumente an Verlage oder Lektoren weiterzugeben, stehen Ihnen Exportfunktionen in eine Reihe von Formaten zur Verfügung. Neben RTF stehen auch MS und OpenOffice zur Auswahl.

Positiv an Storyist sind sicherlich die Funktionen für die Verwaltung von Charakteren und Plots hervorzuheben. Leider sieht auch dieses Programm keine Möglichkeit vor, einen externen Editor oder eine Textverarbeitung einzubinden. Die Funktionen zur Materialsammlung sind gelungen und durchaus hilfreich. Allerdings arbeitete das Programm verglichen mit Scrivener leider nicht ganz so stabil. Zweimal gab es einen kapitalen Absturz. Allerdings kam es nicht zu einem Datenverlust. In Sachen Bedienungskomfort liegt Storyist mit Scrivener auf einer Linie, wobei Letzteres an der einen oder anderen Stelle optisch gefälliger wirkt, was aber letztlich Geschmackssache ist.

Über Stephan Lamprecht (480 Artikel)
arbeitet als freischaffender Texter und Journalist in Ahrensburg bei Hamburg. Er schreibt Fachartikel für PR-Agenturen, Texte für Whitepaper und Internetseiten sowie Beiträge für Fachmagazine. Seit 1991 hat er mehr als 25 Fachbücher verfasst. Zu seinen Themen gehören IT, Social Media, CRM und Business-Intelligence, aber eben auch das Zeit- und Selbstmanagement. Er berät Autoren auf ihrem Weg zum Buch und unterstützt Startups und kleinere Softwareunternehmen in der Pressearbeit.

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