Beenden Sie die Aufschieberitis

Gehen Sie die Dinge gar nicht oder viel zu spät an? Sie kommen in Ihren Projekten häufiger in Schwierigkeiten, weil Sie so zögerlich mit den Aufgaben begonnen haben, so dass der Abgabetermin kaum noch zu schaffen ist? Dann leiden Sie wahrscheinlich unter dem Phänomen der «Aufschieberitis» auch Prokrastination genannt. Mit unseren Tipps gehen Sie die Dinge wirklich an!

Zunächst zwei gute Nachrichten: Sie sind mit Ihrem Leiden nicht allein, etwa 20% der Arbeitnehmer würden sich selbst in die Kategorie der «Aufschieber» einordnen. Die zweite gute Nachricht: Sie sind nicht als Aufschieber geboren. Es gibt also durchaus Wege aus dem Dilemma.

Machen Sie sich zunächst klar, dass Sie etwas ändern wollen und auch ändern müssen. Wie die Zeitschrift «Psychology Today» in einem Beitrag festgehalten hat, birgt Aufschieberitis durchaus gesundheitliche Gefahren. Schlaflosigkeit, eine hohe Affinität zu grippalen Infekten oder auch Magenprobleme zeugen davon, dass die Schuldgefühle darüber, nicht in die Gänge kommen zu können, an der Psyche nagen.

Tipps gegen das Aufschieben:

  • Beginnen Sie sofort! Hören Sie auf, über eine Aufgabe oder ein Projekt nachzudenken, sondern fangen Sie mit einem ersten Schritt an, auch wenn dieser noch so klein ist. Wer innerhalb der ersten 72 Stunden nach dem Übertragen einer Aufgabe oder dem Schluss eines Vorsatzes noch nicht damit begonnen hat, geht wahrscheinlich nie an die Umsetzung.
  • Arbeiten Sie 30 Minuten an Ihrem Projekt: Arbeiten Sie wenigstens 30 Minuten an Ihrem Projekt. Sagen Sie zu sich, dass eine halbe Stunde nun wirklich nicht viel ist. Vielleicht sind Sie nach dieser halben Stunde motiviert genug, sich weiter der Aufgabe zu widmen. Haben Sie die 30 Minuten durchgehalten, belohnen Sie sich! Die größten Werke der Weltliteratur verdanken sich der Kontinuität. So schrieb Thomas Mann jeden Tag mindestens 5 Seiten und brachte es auf ein erstaunlich umfangreiches Werk.
  • Nutzen Sie die Salami-Taktik: Denken Sie nicht an eine große Aufgabe, sondern zerlegen Sie diese in mehrere kleine Teilaufgaben, zu deren Erledigung weniger Zeit benötigt wird. Nehmen Sie sich vor, gleiche einer dieser Teilaufgaben abzuarbeiten.
  • Schalten Sie Ablenkungen aus: Reduzieren Sie ganz bewusst Dinge, die Sie ablenken könnten. Schauen Sie nicht nach neuen E-Mails, auch wenn Sie damit beschäftigt scheinen, legen Sie den Blackberry zur Seite oder schalten Sie ihn ganz aus. Gehen Sie offline, wenn es denn irgendwie geht, denn das Internet ist einer der Zeiträuber Nummer eins.
  • Packen Sie bei unangenehmen Aufgaben zu! Vielem Menschen zögern, ein Projekt in Angriff zu nehmen, weil sie eine besonders unangenehme Aufgabe vor sich herschieben. Drehen Sie den Spieß um und packen Sie eine solche Aufgabe sofort an. Dann haben Sie es hinter sich! Danach dürfen Sie sich aber auch belohnen!
  • Denken Sie an die Konsequenzen: Das mag zunächst den Druck unnötig erhöhen, allerdings ist es wichtig, dass Sie sich verdeutlichen, dass Ihnen Nachteile daraus erwachsen, wenn Sie Ihre Arbeit ständig nur mittelmäßig erledigen, zu spät abliefern oder nur unzureichend bearbeiten.
  • Schluss mit den Ausreden: «Ich musste noch», «Das war jetzt wichtiger». Aufschieber sind Meister im Erdenken von Ausreden und Gründen, warum es ihnen nicht möglich war, die Aufgabe in Angriff zu nehmen. Hinterfragen Sie sich ganz ehrlich: Ist das wirklich wahr? Mussten Sie die andere (Routine-)Aufgabe tatsächlich durchführen?
  • Belohnen Sie sich, aber übertreiben Sie nicht! Belohnen Sie sich für erste Teilerfolge. Gegen die Prokrastination anzukämpfen erinnert oft an eine Art von Drogenentzug. Sie müssen Ihr Gehirn umprogrammieren, um die tradierten Verhaltensmuster zu überwinden. Und dies funktioniert am besten, in dem Sie das Belohnungszentrum ansprechen. Gehen Sie aber auch nicht zu übermotiviert an die Sache heran. Wer sich nur noch in die Arbeit vergräbt, weil sich die ersten Erfolge einstellen, läuft Gefahr, zu übertreiben. Schon droht das nächste Extrem, nämlich ein Burn-out-Syndrom.
  • Achten Sie auf Ihre Sprache: Denken Sie nicht, dass Sie diese Aufgabe jetzt erledigen «müssen», sondern, dass Sie diese Aufgaben erledigen «wollen». Denken Sie nicht in Kategorien von Zwang und Druck, sondern übernehmen Sie in Ihren Gedanken und in Ihrer Sprache die aktive Rolle!
  • Nutzen Sie den Trick der vorgezogenen Deadline: ein altbewährter Trick: Soll eine Aufgabe bis zum Freitag fertig sein, notieren Sie sich den Donnerstag als Abgabetermin. Nehmen Sie diesen Abgabetermin als wahr. Beim ersten Mal werden Sie noch wissen, dass Sie sich eigentlich gerade selber etwas vorlügen, je öfter Sie aber den neuen Abgabetermin denken, desto eher werden Sie ihn als «wahr» empfinden und sind bestenfalls sogar einen Tag vor Abgabe mit Ihrer Aufgabe fertig!
  • Nutzen Sie Routinen: Routine klingt nach Langeweile und eingefahrenen Gleisen. Routinen geben aber auch Halt im Alltag. Strukturieren Sie Ihren Tag, in dem Sie feste Aufgaben wie Telefonate, Mailen, aber auch Pausen unterbringen. Das mag zunächst langweilig klingen, durch die feste Struktur bleiben Ihnen aber auch weniger Zeitfenster, um Aufgaben dorthin zu schieben.
  • Halten Sie Ordnung: Wetten? Sie wollten gerade mit dieser unangenehmen Aufgabe beginnen, da haben Sie aber bemerkt, wie unordentlich es in Ihrem Büro aussieht. Da mussten Sie dann doch schnell aufräumen. Und schon wieder haben Sie nicht angefangen und wieder ist wichtige Zeit einfach verschwunden. Beugen Sie dem vor, in dem Sie konsequent Ordnung halten und auf Ihrem Arbeitsplatz möglich nur die aktuellen Vorgänge deponieren.
  • Bleiben Sie konzentriert: Einer der größten Unterbrecher in Ihrem Büro sind Sie selbst! Bleiben Sie gedanklich bei der Aufgabe, die Sie gerade bearbeiten, und schweifen Sie nicht ab! Wenn Sie nebenbei noch an weitere zu erledigende Dinge denken, finden Sie deutlich schwerer in die Arbeitssituation zurück!
Über Stephan Lamprecht (479 Artikel)
arbeitet als freischaffender Texter und Journalist in Ahrensburg bei Hamburg. Er schreibt Fachartikel für PR-Agenturen, Texte für Whitepaper und Internetseiten sowie Beiträge für Fachmagazine. Seit 1991 hat er mehr als 25 Fachbücher verfasst. Zu seinen Themen gehören IT, Social Media, CRM und Business-Intelligence, aber eben auch das Zeit- und Selbstmanagement. Er berät Autoren auf ihrem Weg zum Buch und unterstützt Startups und kleinere Softwareunternehmen in der Pressearbeit.

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