Tools für Autoren (3): YWriter

3. August 2010

Computer und Internet

Nach zwei Anwendungen für Mac OS ist es höchste Zeit, ein Werkzeug für Autoren vorzustellen, das unter Windows läuft. YWriter wird nicht nur für das Betriebssystem aus Redmond angeboten, sondern läuft auch unter Linux und ist schon allein deswegen eine gute Alternative zu den Lösungen für Apple-Computer.

Das Programm bemerkt, wenn es zum ersten Mal gestartet wird, und weist den Anwender darauf hin, dass ein Assistent integriert ist, der bei der Einrichtung eines neuen Projekts unterstützt. Die Software ist gut lokalisiert. Über das Menü «Localise» stellen Sie am besten zunächst auf die deutsche Sprache um. Die Änderungen sind sofort wirksam, ein Neustart der Software entfällt. Über das Menü «Projekt» starten Sie den Assistenten. In nur vier Schritten vergeben Sie einen Namen, tragen den Autorennamen ein und legen fest, wo das Projekt gespeichert werden soll.

Assistent in YWriter

Auf den ersten Blick scheint das keinerlei Auswirkungen gehabt zu haben und die Software wirkt zunächst auch mehr wie eine Tabellenkalkulation. Ein Autorenwerkzeug scheint hinter all den Registern und Tabellen nicht zu stecken. Dies liegt daran, dass YWriter in erster Linie den Anwender insbesondere bei der Verwaltung seines Projekts unterstützen will, während die bisher vorgestellten Lösungen ja auch immer noch den eigentlichen Schreibprozess mit berücksichtigen.

Der rechte Bereich des Programmfensters gliedert sich in verschiedene Register, die bereits deutlich machen, dass insbesondere Drehbuchautoren und Dramaturgen zur Zielgruppe der Software gehören. So verwalten Sie hier Szenen, die Figuren, Schauplätze und sogar Gegenstände, wenn diese eine Rolle spielen.

Der Editor in YWriter

Unmittelbar nach der Eröffnung eines Projekts legen Sie am besten zunächst erste Kapitel an. Dazu nutzen Sie entweder die Kommandos aus dem Menü «Kapitel» oder aber Sie klicken mit der rechten Maustaste in der linken Übersicht des Projekts. Damit öffnen Sie einen Dialog, in den Sie nicht nur den Titel des Kapitels eintragen, sondern auch ein paar Stichworte, was Sie darin schildern wollen. Das Kapitel ist in YWriter allerdings lediglich ein logisches Konstrukt, das als Container für die einzelnen Szenen dient. Um eine solche Szene anzulegen, klicken Sie mit der Maus auf den Kapiteleintrag auf der linken Seite und führen «Szene, Neue Szene anlegen» aus. Innerhalb des neuen Dialogs vergeben Sie einen Namen für die Szene und können nun in dem Editorenfenster damit beginnen, Ihren Text zu schreiben. Der Editor ist mit einer Symbolleiste ausgestattet, über die Sie zwischen Formaten wechseln. Interessant hierbei die weiteren Register des Dialogs. Darüber weisen Sie der Szene Gegenstände und Figuren zu. Außerdem können Sie innerhalb des Registers «Bild» etwa eine eingescannte Zeichnung der Szene in die Datenbank übernehmen. Insbesondere die Bestückung einer Szene mit Personal ist natürlich eine immense Erleichterung.

Text bearbeiten in YWriter

Der Editor kann übrigens im Vollbildmodus betrieben werden. Wenn Sie aber lieber mit Ihrer gewohnten Textverarbeitung arbeiten wollen, ist das möglich. In der Szenenliste klicken Sie dazu einfach mit der rechten Maustaste und wählen die Option «Inhalt mit Standard-RTF-Editor öffnen». Damit startet dann das Programm, das auf Ihrem System mit diesem Dateityp verknüpft ist. Wichtig ist allerdings, dass Sie, nachdem Sie die Datei bearbeitet und im externen Programm gespeichert haben, YWriter über das gleiche Kontextmenü mitteilen, dass es die Datei wieder einlesen soll. Wenn Sie sich das zur Gewohnheit machen, ist Datenverlust ausgeschlossen.

Mit wenigen Mausklicks exportieren Sie Ihr fertiges Manuskript in verschiedene Formate, um es dann an Lektoren und Verlage weiterzugeben.

Groß ist die Funktionsvielfalt, sodass es immer noch etwas zu entdecken gibt und ein Besuch des Wikis zur Software unbedingt zu empfehlen ist. Ob es nun der Bericht über den täglichen Arbeitsfortschritt oder das Suchen von Wortwiederholungen ist. Sie werden auf eine Vielzahl kleinere Funktionen stoßen, die ganz offensichtlich aus Anregungen von Praktikern stammen. Dass Sie Szenen und Kapitel mit unterschiedlichen Stati versehen können, versteht sich dabei ja fast von selbst. Auf Zuckerwerk für die Augen, wie grafische Pinnwände müssen Sie im Gegensatz zu den Mac-Programmen zwar verzichten, dafür erhalten Sie aber eine sehr ausgereifte Lösung, die Ihnen wirklich weiterhilft. Insbesondere, wenn Sie mit vielen Charakteren an unterschiedlichen Schauplätzen arbeiten wollen.

Be Sociable, Share!
, , ,

Über Stephan Lamprecht

arbeitet als freischaffender Texter und Journalist in Ahrensburg bei Hamburg. Er schreibt Fachartikel für PR-Agenturen, Texte für Whitepaper und Internetseiten sowie Beiträge für Fachmagazine. Seit 1991 hat er mehr als 25 Fachbücher verfasst. Zu seinen Themen gehören IT, Social Media, CRM und Business-Intelligence, aber eben auch das Zeit- und Selbstmanagement. Er berät Autoren auf ihrem Weg zum Buch und unterstützt Startups und kleinere Softwareunternehmen in der Pressearbeit.

Lesen Sie alle Beiträge von Stephan Lamprecht

5 Antworten to “Tools für Autoren (3): YWriter”

  1. Diggsagg schreibt:

    Zurzeit nutze ich noch “Scrivener” auf dem Mac, suche aber nach einer Alternative für Windows, da ich über lange Sicht beabsichtige, wieder auf das Redmonder System umzusteigen. Auf meiner Suche bin ich jetzt auch auf yWriter gestoßen, das mir am nächsten zu Scrivener zu sein scheint.

    Was ich aber auch gerne noch wissen würde, wäre, ob man (wie bei Scrivener) standardmäßig die französischen Guillemets einstellen kann, da diese im fertigen Manuskript erscheinen sollen. Im OpenOffice Writer geht das ja ebenfalls, nur unter Word nicht.

    Reply

    • Stephan Lamprecht schreibt:

      Hallo,

      das habe ich mir nicht angesehen. Ich habe das Programm eher im Zusammenspiel mit Writer als externen Editor genutzt. So brauchte ich mich bei der Textverarbeitung nicht umgewöhnen.

      Wieso willst Du denn auf Windows umsteigen? Die Richtung Mac Richtung Windows ist ja eher ungewöhnlich. Windows in einer virtuellen Maschine ist für Dich keine Lösung?

      Grüße
      Stephan

      Reply

  2. Diggsagg schreibt:

    Hallo Stephan!

    Ich habe mir jetzt mal “yWriter” installiert, klicke mich aber noch ein bisschen unbeholfen durch… Scrivener ist dann doch um einiges intuitiver gestaltet.

    Ja, ich weiß, ein “Switchback” ist eher ungewöhnlich, aber irgendwie komme ich mit Win besser klar, zumal ich dort viele Anwendungen habe, die ich sonst unter Parallels auf dem Mac nutze. Allerdings bin ich noch am Überlegen, ob ich diesen Switchback wirklich durchziehen soll. Was mir unter Win eben noch fehlt, ist ein Schreibprogramm wie Scrivener und etwas Ähnliches wie iWeb bzw. Rapidweaver für meine eigene Homepage. Wobei ich auch keine Probleme hätte, mich in Dreamweaver einzuarbeiten.

    Mich stört einfach ein bisschen die Bindung an Apple, die man eingeht, wenn man erstmal seine festen Anwendungen und Arbeitsweisen hat. Schmiert ein Mac mal ab, ist man gezwungen, sich wieder einen zuzulegen. Da ist man mit einem Windows oder Linux schon wesentlich flexibler. Außerdem bin ich auch einer, der gerne seine Rechner selbst reapariert, wartet usw. An einem Mac kann man ja nicht viel schrauben, bei den Unibody-Geräten ist es mittlerweile auch noch etwas schwieriger geworden. Dazu kommt noch, dass ich momentan in einem finanziellen Engpass bin und mir die Macs (habe einen iMac und ein MacBook) noch ein bisschen Geld in die Kasse spülen würden.

    Aber wie gesagt, momentan bin ich noch unentschlossen, da ich genau weiß, dass mir solche Sachen wie Scrivener und iWeb wahrscheinlich fehlen würden. Ansonsten nutze ich keine Software oder bin auf Programme angewiesen, die es nicht auch für andere Plattformen gäbe. Man muss halt abwägen, ob es Sinn macht, wegen zwei Anwendungen überhaupt einen Mac zu nutzen. Wenn man am Ende das Meiste in der virtuellen Maschine macht und ohnehin kaum eins der mitgelieferten Programme nutzt, geht die Nutzung eines Macs dann auch irgendwie am Sinn vorbei. Finde ich jedenfalls.

    Na ja, und zu guter Letzt hatte ich in letzter Zeit immer mal wieder Probleme mit OS X (Rechtereparatur, die hängen bleibt, NTFS-Lese-Support plötzlich weg, etc.pp.), sodass ich am Ende insgesamt mehr Ärger hatte als mit Windows 7… Ich bin ja mittlerweile 4 Jahre Mac-User, aber die Euphorie hat mit der Zeit immer mehr nachgelassen.

    Reply

  3. Diggsagg schreibt:

    So, für Windows-User gibt es jetzt auch eine freudige Nachricht! ;-) Nächstes Jahr kommt dann auch die Windows-Version von Scrivener! :-) Diesen Oktober soll es wohl erstmal eine Public Beta geben, kommendes Jahr die Final. Auf der Seite des Entwicklers kann man schon Infos zur Version einsehen und sich ein Demo-Video anschauen. Die scriv.-Dateien sollen wohl auch plattformübergreifend kompatibel sein. Finde es jedenfalls ganz schön, dass dieses schöne Stück Software nun nicht mehr “Mac exclusive” sein wird.

    Reply

Trackbacks/Pingbacks

  1. WriteWay: Unterstützung für Romanautoren unter Windows » Autoren Infos - 16. Februar 2011

    […] Artikel zu YWriter […]

Hinterlassen Sie eine Antwort.