Kümmern Sie sich um Ihre digitale Reputation – Teil 1

22. April 2010

Büro und Karriere

Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, was Personalberater, Kunden, Interessenten und Konkurrenten über Sie im Internet finden? Haben Sie mit der Gefahr auseinandergesetzt, dass Sie jemand gezielt über das Medium Internet diskreditieren könnte? In dieser mehrteiligen Artikelreihe möchte ich Sie für dieses Thema sensibilisieren und Ihnen Anhaltspunkte dafür geben, wie Sie sich aktiv um Ihre Reputation im Netz kümmern können.
Sie und ich hinterlassen Spuren im Internet. Jederzeit und immer. Dies beginnt bereits mit der Einwahl in das Netz. So vergibt Ihr Zugangsanbieter an Ihren Computer eine sogenannte IP-Adresse, die notwendig ist, damit Informationen, die Sie abfordern, Sie auch erreichen. Diese IP-Adresse taucht in den Protokoll-Dateien (Log-Files) der Server auf, die Sie mit Ihrem Browser besuchen. Aber nicht nur dort. Setzt die Seite, die Sie benutzen, etwa den Dienst Google Analytics ein, so wird die Adresse auch an den Server der Suchmaschine übertragen. Und schließlich platzieren viele Angebote sogenannte Cookies auf Ihrer Festplatte. Damit bleiben Sie für den Service erkennbar und können so leichter mit Werbeformen versehen werden oder als wiederkehrender Kunde identifiziert werden. Diese Daten haben allerdings eines gemeinsam: Sie sind pseudo- oder anonymisiert.
Damit der Betreiber eines Servers weiß, dass Sie als Individuum seine Seiten angesurft haben, müsste er eine Beziehung zwischen dem Cookie, der zu diesem Zeitpunkt an Sie vergebenen IP-Adresse und den Zugangsdaten Ihres Providers herstellen. Das ist theoretisch möglich, in der Praxis aber letztlich nur Strafverfolgungsbehörden vorbehalten.
Aber wir hinterlassen noch mehr Daten über uns selbst und dies ganz freiwillig.

Überprüfen Sie doch einmal selbst, welche dieser Services und Dienste Sie in den vergangenen sechs Monaten genutzt haben:

  • Foren: Sie suchten Hilfe zu einem bestimmten Thema oder haben sich mit anderen Personen in einem Forum über Ihr Hobby oder ein anderes Thema ausgetauscht?
  • Gewinnspiele: Haben Sie in den vergangenen Monaten an einem Gewinnspiel teilgenommen?
  • Bewertungen: Sie haben bei Amazon oder einem anderen Versender einen Artikel erworben und von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, den Artikel oder sogar den Verkäufer des Artikels zu bewerten?
  • Kommentare: Viele Tageszeitungen und Magazine bieten im Internet inzwischen die Option, ihre Beiträge zu kommentieren. Haben Sie einen Kommentar verfasst?
  • Social Networks: Sind Sie Mitglied bei XING, LinkedIn, MySpace oder einem anderen Netzwerk? Dann verfügen Sie über eine Profilseite, die Informationen über Sie bündelt und der Öffentlichkeit präsentiert. Homepage: Haben Sie für Ihr Unternehmen oder sich persönlich eine Homepage angelegt?

Diese Liste könnte um noch weitere Einträge verlängert werden. Wer diese Informationen gezielt zusammenträgt, erfährt eine ganze Menge über Sie. Aus den einzelnen Informationsfragmenten wird damit ein Bild einer Person.

Eine Pseudonym als Ausweg?

Die Schlussfolgerung liegt nahe: Um das Zusammentragen dieser Informationen zu erschweren bis unmöglich zu machen, müsste die konsequente Nutzung eines oder mehrerer Pseudonyme ein Ausweg sein. Das ist allerdings sehr eindimensional betrachtet.

Vielleicht schreiben Sie regelmäßig in einem Forum über Ihr Spezialthema und sind dort als kompetenter Experte auf Ihren Gebiet anerkannt und geschätzt? Wenn es sich um Fachwissen handelt, das Sie möglicherweise auch beruflich nutzen können, werden potentielle Arbeitgeber oder Personalberater niemals erfahren, dass es sich dabei um Sie handelt. Selbst wenn Sie es wollten, fiele Ihnen der Beweis der Urheberschaft schwer. Dieses Phänomen betrifft alle Plattformen, auf denen es um den Austausch und die Vermittlung von Wissen geht. Das Verstecken hinter einem Pseudonym verbirgt zwar wirkungsvoll Ihre digitale Identität, schränkt sie aber auch stark in deren Nutzung ein.
Besser ist es, sich Gedanken darüber zu machen, wie Sie verantwortungsbewusst mit dem Aufbau und der Pflege Ihres Rufes als Person im Internet, ihrer digitalen Reputation umgehen. Denn dass sich andere Menschen inzwischen stark über Nachbarn, Freunde, Kollegen, Bewerber, Kooperationspartner aber auch Konkurrenten informieren, steht außer Frage.

Die digitale Spurensuche hat längst begonnen

Noch nie war es so einfach, sich über eine Person zu informieren. Fiel vor knapp 15 Jahren noch jemand auf, wenn er eine persönliche Homepage auf seiner Visitenkarte druckte, tritt heute das umgekehrte Phänomen auf. Aufmerksamkeit erregen Menschen, über die sich im Internet keine oder kaum Informationen finden lassen.

Mehr als 80% aller Suchanfragen werden heute über den Giganten Google abgewickelt. Wer etwas im Internet recherchieren möchte, kommt an dieser Suchmaschine einfach nicht vorbei. Ganz ehrlich: Wer hat noch nicht seinen Namen eingegeben und nachgesehen, welche Treffer die Suchmaschine anbietet?

Eine solche Abfrage bringt eine Menge an Informationen zutage. Interessant werden solche Abfragen durch die zusätzlichen Google-Optionen. Mit einem Klick auf “Bilder” recherchieren Sie nach Bildmaterial von und über die gesuchte Person. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden Sie auch hier fündig, da Google ja auch die Profilseiten von sozialen Netzwerken durchsucht. Mit einem Klick auf “Groups” können Sie dann auch nachsehen, ob die Person sich bereits einmal in den öffentlichen Gruppen innerhalb des Internets zu Wort gemeldet hat.
Die Menge der Informationen, die Sie bei der Abfrage von Google über die Person erhalten, ist natürlich davon abhängig, wie intensiv diese das Internet nutzt und genutzt hat.
Personensuchmaschinen

Einen Schritt weiter als Google gehen spezielle Angebote, die sich auf die Suche nach Personen spezialisiert haben. Diese fragen unter anderem mehrere Suchmaschinen parallel ab (meist Google und Yahoo) und berücksichtigen insbesondere soziale Netzwerke von Friendster über MySpace bis hin zu XING.
Yasni (www.yasni.de) hat sich auf die Suche nach Personendaten spezialisiert. Es genügt die Eingabe eines Namens und wenige Augenblicke später werden unterschiedlichste Datenquellen durchsucht, darunter auch öffentlich zugängliche Telefonbücher. Die Ergebnisse werden in verschiedene Gruppen gegliedert und können mit wenigen Mausklicks erweitert oder eingeschränkt werden. Um auf dem Laufenden über eine Person zu bleiben, kann auch ein sogenannter Suchagent eingerichtet werden. Sobald weitere Ergebnisse zu dieser Anfrage auftauchen, erhalten Sie automatisch eine Nachricht mit den neuen Treffern. Das Besondere an dieser Suchmaschine ist zweifellos, dass sie sich an das deutschsprachige Publikum wendet. Ist die gesuchte Person aktiv im Netz unterwegs, erhalten Sie bereits bei dieser ersten einfachen Abfrage ein recht umfassendes erstes Bild.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt auch Spock (www.spock.com), allerdings mit dem Schwerpunkt des amerikanischen Sprachraums. Auch hier tragen Sie direkt auf der Startseite den Namen der gesuchten Person ein. Wie Yasni handelt es sich bei Spock im eigentlichen Sinn um eine Metasuchmaschine, das bedeutet, dass der Suchalgorithmus nicht einen eigenen Datenbestand abfragt, wie dies etwa bei Google der Fall ist, sondern die Suchanfrage an andere Dienste weitergereicht wird. Auch Spock geht es vordergründig weniger darum, die Informationen rund um eine Person zu sammeln. Um die Suche nach Personen zu verbessern, haben andere Nutzer die Möglichkeit, aufgefundene Ergebnisse zu bewerten. So entsteht Schritt für Schritt ein detailliertes Profil einer Person, ganz ohne deren Zutun.

Vielleicht haben Sie die gerade genannten öffentlichen Quellen bereits einmal genutzt, um sich darüber zu informieren, welche Informationen über Sie so ohne Weiteres verfügbar sind. Da das Internet nichts “vergisst”, können auch Headhunter und Konkurrenten darauf zugreifen, um sich ein Bild über Sie zu verschaffen. In aller Regel liegen diesen Personen die grundlegenden Informationen wie Name und Anschrift bereits vor. Bei einer Kandidatenanalyse, etwa im Rahmen eines Bewerbungsverfahrens, geben die Bewerber ja noch weitere Informationen ganz freiwillig preis, die damit auch weitere Ansatzpunkte für Recherchen bieten. So lassen sich etwa neue Abfragen starten, die nach der Person und eventuellen vorherigen Wohnorten suchen oder aber Abfragen in Kombination von Namen und Firmenbezeichnungen vorheriger Arbeitgeber. Gerade die in den vergangenen drei Jahren sich immer stärker auch in Deutschland verbreitenden Social-Networks erweisen sich hier als wahre Fundgrube für Daten.

Die Preisgabe der Daten ist nicht ganz ungefährlich. Wer sich im Internet als Individuum erkennbar bewegt, kann eben leicht gefunden werden. Dies bedeutet letztlich aber auch ein Risiko für Ihren digitalen Ruf im Internet. Bereits bevor das Internet seinen Durchbruch in Deutschland erlebte, kommunizierten Menschen bereits in elektronischer Form miteinander. Eine blühende Szene privat betriebener Mailboxen beherrschte den Austausch von Nachrichten, Diskussionen und dem Austausch von Dateien. Die Mailboxen schlossen sich teilweise zu Netzwerken zusammen, die die Übermittlung von Nachrichten und Diskussionsbeiträgen über Ländergrenzen hinweg möglich machen. Eines der bekanntesten Netze war zweifellos das Fido-Netz. Niemand konnte sich damals vorstellen, dass mehr als zehn Jahre später die Inhalte aus dem Fido-Net einmal in einer Suchmaschine wie Google zur Verfügung stehen würden. In einer hitzigen Diskussion entfuhr dem einen oder anderen schon einmal ein Satz, den er später bereut hat. Schlecht, wenn sich gerade solche Beiträge heute auffinden lassen. Doch auch heute noch lassen sich Menschen dazu hinreißen, sich unbedacht und sehr offensiv im Internet zu äußern. Unternehmen, die man als Schüler oder Student noch als Treiber der Globalisierung verdammt hat, mögen später doch als annehmbare Arbeitgeber erscheinen. Ein Bewerbungsgespräch, in dem man dann auf diese Äußerungen angesprochen wird, vernimmt natürlich einen anderen Verlauf, als einem lieb gewesen wäre.

Als ähnlich kompromittierend können sich auch Schnappschüsse erweisen, die unkommentiert auf die Seiten von Foto-Sharing-Plattformen oder Profilseiten bei Social Networks platziert werden. Dabei ist es unerheblich, ob die Fotos von eigener Hand oder durch Freunde im Internet platziert worden sind. Werden diese mit beschreibenden Begriffen oder dem Namen der dargestellten Person gekennzeichnet, sind diese über die Bildersuche der Suchmaschinen zu finden und können damit einen falschen Eindruck hinterlassen. Eine einfache Faustregel in diesem Zusammenhang: Stellen Sie nur solche Fotos öffentlich ins Netz, die Sie auch Menschen zeigen würden, die Sie noch nicht näher kennen. Denken Sie bewusst über die Wirkung eines Fotos auf seinen Betrachter nach, bevor Sie das Bild auf einer Seite hochladen.

Mangelnde Sicherheit bei Online-Profilen

Fast unüberschaubar ist inzwischen die Zahl der sogenannten Social Networks zu allen erdenklichen Zwecken. Üblicherweise genügt es beim Einrichten eines Benutzerkontos, das die Basis für die eigenen Profilseite bildet, eine gültige E-Mail-Adresse zu hinterlegen. Im Rahmen eines automatisieren Prozesses wird dann lediglich diese Mailadresse überprüft, die nicht notwendigerweise etwas mit der Person zu tun haben muss, die auf dem Profil selbst erscheint. Eine tatsächliche Überprüfung der Person und deren Angaben erfolgen meist nicht. Problematisch kann diese Offenheit immer dann werden, wenn sich eine Person gezielt als jemand anderes einträgt und ein Profil online stellt, um wissentlich falsche Behauptungen zu verbreiten. In den USA ist eine solche Praxis bereits seit Längerem als so genannter “Identitätsdiebstahl” als Problem bekannt.

Im nächsten Teil möchte ich Ihnen zeigen, wie Sie damit beginnen, aktives Reputationsmanagement zu betreiben. 

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